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Schaben

1. Die Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Sie ist ein Vorratsschädling, der durch die Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen auch gesundheitliche Gefahren birgt (Vektor). Sie ist meist in feuchtwarmen Räumen heimisch wie in:

  • Mühlen
  • Lebensmittel verarbeitenden Betrieben
  • Großküchen und Kantinen
  • Bäckereien
  • Schwimmbädern
  • Asylantenheimen
  • Krankenhäusern
  • Gewächshäusern
  • Privathaushalten

Bevorzugt werden Bereiche mit Temperaturen von mehr als 20°C und in der Nähe von Nahrungs- und Feuchtigkeitsquellen:
hinter Waschbecken, Küchenschränken, Wärmeüberträgern von Kühlschränken, aber auch in elektrischen Geräten, hinter Scheuerleisten, Türrahmen, defekten Fliesen, Mauerfugen, Bildern und Spiegeln. Schächte mit Warmwasser-, Abfluss- und Heizungsrohren; auch Fernheizungen sind weitere ideale Verstecke.

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Foto: Deutsche Schabe auf Gemüseresten

Die Schaben zeigen ein ausgeprägtes Aggregationsverhalten, das durch so genannte Aggregationspheromone ausgelöst wird. Die Pheromone werden mit dem Kot abgesetzt.

Die Deutsche Schabe erreicht eine Länge von bis zu 16mm. Sie ist einfarbig gelbbraun gefärbt. Auf dem Prothorax (Halsschild) befinden sich zwei parallele dunkle Längsstreifen. Die Weibchen sind dunkler gefärbt als die Männchen. Obwohl die Flügel gut entwickelt sind, fliegen sie nicht, selten setzen sie zum Gleitflug an. Dafür können sie aber extrem gut und schnell laufen. Zwischen 7 und 12°C zeigen die Tiere nur noch eine eingeschränkte Aktivität. Sinkt die Temperatur auf unter 4°C, so können sie sich nicht mehr fortbewegen. Dennoch sind sie bei uns in der Lage im Freien zu überwintern. Die Deutsche Schabe ist generell nachtaktiv und verbringt ca. 3/4 des Tages in Verstecken. Tagsüber umherlaufende Tiere deuten stets auf einen sehr starken Befall mit hoher Besatzdichte in den Verstecken hin.

Die Imagines sowie die älteren Larvenstadien können bei ausreichend Feuchtigkeit mehr als ein Monat hungern. Die durchschnittliche Lebenserwartung der erwachsenen Tiere beträgt bis zu 200 Tage. Die Entwicklung vom Ei bis zur geschlechtsreifen Imago dauert in der Regel 2 bis 7 Monate. Diese kurze Entwicklungszeit ist Grund für die erfolgreiche Ausbreitung der Deutschen Schabe in der Umgebung des Menschen. In warmen Räumen, wie z. B. in Bäckereien, können pro Jahr 3 bis 4 Generationen entstehen.

Die ausgewachsenen Schaben kopulieren bereits wenige Tage nach der Häutung, und die erste Oothek (Eikapsel, Eibehälter) wird nach 1 bis 2 Wochen gebildet. Die Deutsche Schabe ist ovipar (Eier-legend). Die Ootheken sind hell- bis mittelbraun gefärbt und werden 9 x 3mm groß. Die Eipakete sind in der Regel mehr als doppelt so lang wie breit und leicht sichelförmig gebogen. Die Eikapseln können sogar Temperaturen von rund -20°C ertragen, ohne dass die enthaltenen Eier oder Larven absterben.
Die Weibchen produzieren ca. 4 bis 8 Ootheken, die je ca. 20 bis 50 Eier enthalten können. Die Eibehälter werden von den Weibchen während der Embryonalentwicklung umhergetragen und mit Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgt. Die Weibchen reduzieren ihre Aktivität während des Austragens der Ootheken. Ein Weibchen kann insgesamt 150 bis 200 Eier produzieren.

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Foto: Schaben schlüpfen aus einer Oothek

Kurz vor dem Schlupf der Larven suchen die Weibchen eine Wasserquelle auf und erhöhen durch Wasseraufnahme ihren Haemolymphe-Druck, wodurch die Oothek abgestoßen werden kann. Die Larven verharren die letzten drei Tage vor der nächsten Häutung in ihren Verstecken und bereiten sich so auf den Häutungsprozess vor. Die ersten beiden Larvenstadien haben nur einen geringen Aktivitätsradius und halten sich im Bereich ihrer Feuchtigkeitsquellen auf. Die ersten beiden Larvenstadien haben eine dunkelbraun bis schwarz gefärbte Brust. Auf dem Rücken befindet sich ebenfalls ein hellbrauner Streifen. Die späteren Larvenstadien sind heller gefärbt.

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Foto: Deutsche Schabe von vorne

Die Deutsche Schabe kann in Museen Fraßschäden an Leder, Textilien und Papier anrichten. Die Kontamination von Nahrungsmittel mit Kot, Kropfinhalt oder Ausscheidungen aus Speicheldrüsen stellen dagegen ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko dar. Die Tiere können nämlich als Vektoren zahlreiche Krankheitserreger übertragen. Schaben sind zweifelsfrei Überträger folgender Krankheiten: Milzbrand, Salmonellen und Tuberkulose. Weiterhin sind sie auch ein Zwischenwirt für Fadenwürmer.

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Foto: In warmen Schächten fühlen sich Schaben wohl (sie sind auf dem Zieglsteinrahmen nach einer Begasung tot zu erkennen)

Eine 2005 vom National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS) und dem National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) angefertigte Studie in den USA, ergab, dass von Schaben stammende Allergene Asthmasymptome massiv hervorrufen. Es handelt sich bei der Deutschen Schabe daher nicht nur um einen Hygiene- und Materialschädling, sondern auch um einen Gesundheitsschädling, der unbedingt bekämpft werden muss.

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Foto: Gefangene Schaben auf einer Klebefalle (links unten)

Bekämpfung: Wichtig ist die rechtzeitige Entdeckung von Befallsherden mit Hilfe von Aggregationspheromon-dotierten Lockstoff-Klebefallen, die zum Monitoring dienen.

Schaben werden bei Befall mit Fraßködern meist in Form von Gelen bekämpft. Schabengele sind Fraßgifte, die zielgerichtet auf die Laufwege und in der Nähe der Verstecke der Kakerlaken eingesetzt werden. Wirkstoffe sind: mikroverkapseltes Bifenthrin, Fipronil, Indoxacarb, Abamectin, Acetamiprid, Imidacloprid, Spinosad.

Die Gele besitzen eine Köderwirkung mit außerordentlich schneller Wirksamkeit. Die Aufnahme geringster Mengen der ausgebrachten Geltropfen reicht, um die Schaben innerhalb von ca. 24 Stunden abzutöten. Bereits nach 1 Woche wird eine deutliche Verringerung und nach 2-3 Wochen eine vollständige Tilgung des Schaben-Befalls erreicht. Wiederholte Behandlungen sowie Befalls-Monitoring sind erforderlich, da die Gele die versteckten Ootheken wirkstoffbedingt nicht erreichen.

Außerdem: Das vor der Gelung erforderliche Entfernen möglichst aller alternativen Nahrungsquellen ist sehr wichtig, damit eine Nahrungskonkurrenz zum ausgebrachten Schabengel vermieden wird.

In schweren Fällen werden ganze Back- oder Lebensmittelbetriebe mit Vikane (Altarion Viklean-Verfahren) begast.

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Foto: Abdichtung gegen Begasungsmittelverlust von Belüftungsstutzen auf dem Dach eines Lebensmittelbetriebes zur Begasung gegen Schaben.

Gemeine Küchenschabe (Blatta orientalis)

Die Gemeine Küchenschabe, auch bekannt als Kakerlake, Bäckerschabe oder Orientalische Schabe, gehört zu den Blattodea. Sie ist ein Vorratsschädling vor allem in menschlichen Behausungen. Deshalb auch der Begriff Küchenschabe. Sie ist wie alle Schaben sehr lichtscheu und hat eine dunkle, rotbraun-schwarze Körperfarbe. Mit einer Laufgeschwindigkeit von bis zu 5,5km/h gilt die Gemeine Küchenschabe außerdem als das schnellste krabbelnde Insekt.

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Foto: Orientalische Schabe, weiblich

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Foto: Orientalische Schabe,männlich

Die Küchenschabe wird bis zu 3cm lang. Sie hat ziemlich glatte Flügel, einen eher runden, käferartigen, dunklen und platten Körper. Die Flügel fehlen bei den Larven und den Weibchen (bei ihnen sind nur noch winzige Flügelreste vorhanden) im Gegensatz zu den Männchen. Diese haben zwar Flügel, sind aber flugunfähig. Die Beine sind hellbraun. Die Fühler sind dünn und etwa ein Drittel so lang wie der Körper. Die von den weiblichen Schaben gebildete Eikapsel (Oothek) ist erst rotbraun, später fast schwarz gefärbt. Sie hat eine Größe von 10 x 5mm. Die Eikapseln enthalten in der Regel ca. 15 Eier und werden von den Weibchen zunächst noch 3 bis 5 Tage umhergetragen, bevor sie an einem feucht-warmen Platz abgelegt werden. Nach ca. 6 bis 8 Wochen schlüpfen in Abhängigkeit der Temperatur aus den Eikapseln die jungen Larven. Die gesamte Entwicklungsdauer beträgt rund 6 Monate. Die ausgewachsenen Schaben leben ca. 5 bis 6 Monate.

3. Amerikanische Schabe (Periplaneta americana)

Die rotbraune, flugfähige, nur innerhalb von Gebäuden anzutreffende Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) wird bis zu 4 cm groß. Auffallend lang sind Antennen, die oft länger als der übrige Körper sind. Am Hinterrand des Halsschildes fällt eine rotgelbe Binde ins Auge. Die Tiere sind hervorragende Läufer und Kletterer. Ihr flacher Körper ermöglicht es ihnen unter sehr schmale Ritzen zu kriechen, um sich zu verstecken. Die erwachsenen Schaben können mehr als ein Jahr alt werden. Die Weibchen können in dieser Zeit bis zu 700 Eier produzieren.

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Foto: Amerikanische Schabe

Der komplette Entwicklungszyklus dauert im Vergleich zu anderen Schaben relativ lange, bei Temperaturen von ca. 20°C sogar 1,5 Jahre. Sie ist kälteempfindlich und pflanzt sich bei Temperaturen unter 15°C nicht mehr fort.
Hauptnahrung der Amerikanischen Schaben sind Lebensmittel, Vorräte, Essensreste, Abfall und Müll. Auch diese Schabe kann Krankheiten und Keime übertragen, wie z.B. das Bakterium Serratia marcescens, einen gefürchteten Krankenhauskeim.
Ansätze für eine biologische Schädlingsbekämpfung: Wespenweibchen der parasitischen Juwelwespe (Ampulex compressa) fangen die Amerikanische Schabe und injizieren ihr ein lähmendes Gift. Das Wespenweibchen zieht die Schabe in eine Nisthöhle und legt ein Ei auf die Schabe ab.

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Foto: Juwelwespe paralysiert eine Amerikanische Schabe

Die Larve ernährt sich zunächst von der Hämolymphe (Insektenblut) und später auch vom inneren Gewebe der Schabe. Nachdem die Schabe fast komplett leergefressen ist, spinnt sich die Larve im Inneren der Schabe in einen Kokon ein, aus dem sie nach einigen Wochen als erwachsene Wespe schlüpft. Die parasitischen Juwelwespen schützen ihre Nahrung vor der Verunreinigung durch schädliche Mikroorganismen. Die Larven dieser Wespenart verwenden nämlich ein antimikrobiell wirksames, oral abgesondertes Sekret, um die Wirtsschabe von innen zu desinfizieren. Gerade Schaben verbreiten aufgrund ihrer unhygienischen Lebensweise eine Reihe schädlicher Mikroorganismen. Dieses Sekret besteht hauptsächlich aus Mellein, ein phenolisches Dihydroisocumarin (3,4-Dihydro-8-hydroxy-3-methyl-1H-2-benzopyran-1-one), und dem γ-Lacton Micromolid. Mellein wird auch durch den Schimmelpilz Aspergillus ochraceus produziert.

Literatur: http://www.pnas.org/content/early/2013/01/02/1213384110.full.pdf+html oder G.Herzner, A. Schlecht, V. Dollhofer, C. Parzefall, K. Harrar, A. Kreuzer, L. Pilsl, and J. Ruther; Larvae of the parasitoid wasp Ampulex compressa sanitize their host, the American cockroach, with a blend of antimicrobials PNAS 2013 ; published ahead of print January 7, 2013.

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