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Mit Wärme gegen Schwamm?

Wärme gegen Schwamm - nicht unumstritten!

In der Vergangenheit wurden von uns einzelne Gebäudeabschnitte zur Vermeidung eines Verlustes historischer Bausubstanz ausnahmsweise mit Heißluft gegen Echten Hausschwamm als Sonderverfahren behandelt. Dies war jedoch nicht die Regel, denn üblicherweise werden bauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. "Baulich" bedeutet dabei den teilweisen Abbruch von Mauerwerksteilen und Gesundschnitt von Holzbauteilen. Denkmalpflegerische Vorgaben und Belange widersprechen oftmals dieser Vorgehensweise.

Messleitungen
Foto: Über zahlreiche Messleitungen wird die Temperaturverteilung im Mauerwerk zur Abtötung des Pilzmyzels ermittelt

Wissenschaftliche Nachweise der Wirksamkeit von Heißluftbehandlungen gegen Echten Hausschwamm im Rahmen von Sanierungsbegleitungen und Nachkontrollen an kulturhistorisch wertvollen Baudenkmalen erfolgten, um die Heißluftbehandlung in die Regelsanierung zu integrieren. Eine routinemäßige Übertragbarkeit der Vorgehensweise der Heißluftanwendung von einem Bauwerk auf das andere ist jedoch prinzipiell nicht möglich.

Abtrennung-und-Einhausung-eines-Hausschwamm-Befallsbereichs
Foto: Abtrennung und Einhausung eines Hausschwamm-Befallsbereichs in einer Kirche zur vorgesehenen Warmluftbehandlung

Im Februar 2012 wurde die neue DIN, 68800, Teil 4 veröffentlicht. Hierin ist nun auch das Heißluftverfahren zur Bekämpfung von Echtem Hausschwamm beschrieben und genormt. Während die thermische Bekämpfung holzzerstörender Insekten (Heißluftverfahren zur Insektenbekämpfung) schon lange durch die DIN 68 800 genormt war (siehe auch WTA Merkblatt 1-1-08/D "Heißluftverfahren zur Bekämpfung tierischer Holzzerstörer"), wird sie nunmehr auch zur Bekämpfung des Echten Hausschwamms als wirksam unter bestimmten Rahmenbedingungen ausgewiesen.

Beim Heißluftverfahren gegen den Echten Hausschwamm wird das Holz oder Mauerwerk mittels warmer oder heißer Luft so stark erhitzt, dass das Pilzmyzel (Pilzgeflecht) abgetötet wird. Temperatur-Zeit-Produkte von etwa 50-60 °C x 16-2 Stunden sind erforderlich. Bei geringen Holzquerschnitten ist eine Abtötung recht einfach zu erreichen, bei größer dimensionierten Hölzern wird es aufwändiger. Je nach Art des Befalls, Verbreitung im Holz, Holzdimensionen und Geometrie der Holzkonstruktion sind manchmal extrem lange Aufheizzeiten und ein entsprechend hoher Energieaufwand erforderlich.

Besonders wichtig ist dabei:

  • Feststellung der Ursache der erhöhten Feuchte von Holz und Mauerwerk
  • Beseitigung dieser Feuchtigkeit
  • Nachhaltige Austrocknung der Bausubstanz
  • Qualitätsmanagement zum Einhalten der geforderten Abtötungsparameter (Festlegung der Einhausungen, Temperaturmesspunkte, Einwirkzeit, Einblastemperatur, Zieltemperatur und Letale Wärmedosis) und damit Erzielen des Behandlungserfolges

Nach der Wärmebehandlung des Pilzbefalls im Holz besteht durch erfolgten Sporenflug und -verbreitung bei Feuchtigkeitseinwirkung weiter Gefahr für das Holz durch erneutes Aufkeimen von Sporen. Daher sind Feuchtemanagement und eine vorbeugende chemische Imprägnierung notwendig.

Schwieriger ist die Wärmebehandlung von Mauerwerk. Hierbei ist zur Abtötung des Pilzmyzels zu berücksichtigen:

  • Mauerwerk muß beidseitig beheizt werden
  • Traufbereiche sind allseitig zu umhüllen und mehrseitig zu beheizen
  • Sehr feuchtes Mauerwerk ist nur schwer aufheizbar
  • Mehrschalige Konstruktionen lassen sich mit vertretbarem Energieaufwand nicht ausreichend aufheizen
  • Erdberührtes Mauerwerk (z.B. Kellerwände und -böden) können nicht ausreichend erwärmt werden
  • Die ausreichende Erwärmung von Mauerwerk in Erdgeschossen ist bis zu einer Höhe von 1,0 m über Erdgleiche gesondert nachzuweisen

Die Sporen des Echten Hausschwamms lassen sich allerdings nur mit Temperaturen von über 80 bis 100°C über mehrere Stunden hinweg abtöten.

Sporen-des-Echten-Hausschwamms
Fotos: Sporen des Echten Hausschwamms bedecken den gesamten Kellerboden und gelagerte Materialien

Die Einwirkung der Wärme und ihr Eindringen in das Mauerwerk sind inhomogen. Die Wärme verteilt sich im Mauerwerk heterogen. Verbleibt dann noch Holz in oder am Mauerwerk oder wird Holz wieder eingebaut, so ist bei tiefsitzendem Myzel zusätzlich die Bohrlochtränkung im Balkenkopfbereich erforderlich.

Echter-Hausschwamm-im-Mauerwerk
Foto: Echter Hausschwamm im Mauerwerk

Bei jedweder Hausschwamm-Bekämpfung muss die Tragfähigkeit betroffener Hölzer und Konstruktionen von einem Statiker beurteilt werden!

Bei einer Warmluftbehandlung von Mauerwerk gegen Echten Hausschwamm sollten die zu erwartenden Kosten im Verhältnis zu denen einer konventionellen Regelsanierung gegen Echten Hausschwamm nach DIN 68 800 Teil 4 vorher sorgfältig überprüft und mit allen Beteiligten (Bauherr, Architekt, Statiker, Denkmalpfleger, Sanierungsfirma) diskutiert werden.

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