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„Da stinkt’s!“: Fachgerechte Beseitigung eines Fäkalschadens in einem Mehrfamilien-Wohnhaus

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In einem Einfamilienwohnhaus in Nürnberg kam es zu Geruchsbelästigungen und Wasserflecken an den Wänden in der Küche und Wohnzimmer im Erdgeschoss und im kleinen Büro im Keller. Orientierende Feuchtemessungen dort und anschließende Bauteilöffnungen zeigten ein Leck an einem Abflussrohr und eine erhebliche Fäkalkontamination des Putzes und der Hohlblocksteine.

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Foto 1 und 2: Leckagebereich und mikrobiell belastete Dämmschicht im Estrichbereich

Eine sofortiger Trocknung der Schadensbereiche wurde eingeleitet.

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Foto 3, 4 und 5: Ermittlung des Leckagebereichs mit Messgeräten und Trocknung

Eine zwischenzeitliche baubiologische Beprobung der Estrichdämmschicht aus braunem organischem Material im Fußbodenbereich von Wohnzimmer sowie Küche und der Raumluft bestätigte eine erhebliche Belastung durch Schimmelpilze (wie z.B. Aspergillus sydowii, Aspergillus versicolor, Stachybotrys chartarum) und Fäkalbakterien (Coliforme Bakterien, wie Escherichia coli) sowie aber auch Actinomyceten.

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Foto 6, 7 und 8: Mikrobiell belastetes Dämmschichtmaterial, Sporen von Stachybotrys chartarum und Aspergillus versicolor

INFOBOX
Actinomyceten: Actinomyces ist eine Bakterien-Gattung der Familie Actinomycetaceae. Charakteristisch für diese Bakterien sind langgestreckte, oft verzweigte Zellen, ohne aktive Bewegung, überwiegend anaerobes (kein Sauerstoff nötig) Wachstum und positives Verhalten in der Gram-Färbung (färbbare Bakterienzellwände). Gramnegative Bakterien dagegen enthalten in der Zellwand giftige Liposaccharide (=Endotoxine; sie werden erst nach dem Zelltod freigesetzt). Die meisten Bakterien vermehren sich durch Zellteilung. Ein Teil der Actinomyceten bildet dagegen wie die Schimmelpilze Myzel und Sporen aus. Von Actinomyceten ist bekannt, dass sie zahlreiche antibiotische Stoffe produzieren können, die für den Menschen z.T. sehr giftig (zytotoxisch, inflammatorisch) sein können. Die Mengen der KBEs (=Kolonienbildende Einheiten) der Bakterien sind meist erheblich größer als die der Schimmelpilze.
Aspergillus sydowii: Aspergillus sydowii ist eine nah verwandte Art zu Aspergillus versicolor und ein Indikator für Feuchteschäden. Aspergillus sydowii unterscheidet sich von Aspergillus versicolor vor allem durch die größeren Sporen und eine blaugrüne Färbung der Kolonien. Die hohe Osmotoleranz gegenüber relativer Feuchte von nur 78% ("xerophiler Pilz" = trockenheitsliebend) lässt eine Anreicherung im Hausstaub zu und eine Ansiedelung in anderen Bereichen des bewohnten Innenraums. Selbst Papier kann von Aspergillus sydowii besiedelt werden, weshalb der Schimmelpilz auch häufig in Archiven vorkommen kann. Als Krankheitserreger sind bei Aspergillus sydowii Fälle invasiver Aspergillosen bekannt. Auch Fälle von Nagelmykosen sind dokumentiert.
Aspergillus versicolor: Aspergillus versicolor gehört zur Gattung der Aspergillen. Aspergillus versicolor ist ein ubiquitärer Bodenpilz, der auch in kühlen Klimaten vorkommt. In Innenräumen ist er häufig im Zusammenhang mit erhöhter Feuchte anzutreffen, insbesondere nach Wasserschäden. Er gilt als klinisch relevanter Pilz mit hohem infektiösen, toxischen und allergenen Potenzial. Von den mehr als 200 Aspergillen gibt es nur wenige klinisch relevante Arten, A. versicolor gehört hierzu. Aspergillen können sich bei vorgeschädigter Haut oder Schleimhaut ansiedeln, vermehren und rasenartig weiter über die Wundfläche hinaus ausbreiten (z. B. als Otitis externa). Sporen (Konidien) von A. versicolor in der Luft stellen potenzielle Allergene dar. Mit wachsender Sporenkonzentration in der Raumluft steigt das Allergierisiko. Bei Inhalation gelangen die kleinen Konidien (2-4 ?m im Durchmesser) ungehindert tief in die Lunge, bis in die Alveolen. Dort werden sie beim gesunden Menschen in der Regel eliminiert. Die Konidien können jedoch eine allergische Reaktion indizieren. Bei entsprechend disponierten, abwehrgeschwächten Personen kann es zu einer manifesten Infektion der Lunge kommen. Von dort kann eine Disseminierung in andere Organe erfolgen. Zu bedenken ist auch, dass potente Mykotoxinbildner die Immunabwehr durch Toxine, entsprechende Mengen vor-ausgesetzt, lokal hemmen können. So ist es denkbar, dass bei extrem hoher, länger anhaltender Raumluftbelastung auch gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem an einer Infektion erkranken können. Die Konidien von A. versicolor können die Magen-Darm-Passage unbeschadet überleben, was das Vorkommen in den Fäzes von Alles- und Pflanzenfressern belegt. Er wächst in einem Temperaturbereich von 3-40 °C und pH-Werten von 3-8, wobei dessen Wachstumsoptimum im Bereich zwischen 25-30 °C liegt. Das Optimum der Mykotoxinbildung liegt bei 30-32 °C und einem pH-Wert von 8. Der aw-Grenzwert liegt bei 0,84. Pathogenität: An Mykotoxinen sind bekannt: Sterigmatocystin, 5-Methoxysterigmatocystin, ß-Nitropropansäure, Nidulotoxin und Cyclopiazonsäure. Sterigmatocystin hat hepatotoxische (lebertoxisch), kanzerogene (krebserzeugende) und nephrotoxische (nierenschädigende) Eigenschaften und wurde von der IARC (International Agency for Research on Cancer) als Klasse 2A Karzinogen eingestuft. Aspergillus versicolor gilt als Erreger von Humanmykosen und von Osteomyelitis (= Knochenmarkentzündung). Aspergillus versicolor findet man sehr häufig im Hausstaub in Innenräumen und insbesondere sehr oft nach Wasserschäden. Aspergillus versicolor bildet wie erwähnt u.a. das Mycotoxin Sterigmatocystin, das zum einen kanzerogenes Potential hat und zum anderen die Niere oder Leber schädigen kann. Ebenso kann Aspergillus versicolor auch Aspergillosen hervorrufen. Er gilt als klinisch relevanter Pilz mit einem hohen allergenen, toxischen und infektiösen Potential.
Stachybotrys chartarum: Stachybotrys chartarum ist ein weltweit verbreiteter Schimmelpilz. Er ist ebenfalls in der Lage, Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) zu produzieren. Die von Stachybotrys chartarum produzierten Toxine gehören zu den Trichothecenen und können nicht nur durch Hautkontakt aufgenommen, sondern und vor allem über die Atemwege als toxinhaltige Stachybotrys-Sporen eingeatmet werden. Eine Reizung der Haut bzw. der Schleimhäute sowie eine Störung des Immunsystems ist die Folge, was bedeuten kann, dass allein der Aufenthalt in Räumen mit Stachybotrys-Befall ein Risiko für die Gesundheit beinhaltet.
Coliforme Bakterien: Als coliforme Bakterien, fäkalcoliforme oder thermotolerante coliforme bezeichnet man lactosespaltende gram-negative, fakultativ anaerobe, stäbchenförmige Bakterien, die Säure und Gase produzieren. Dazu zählen u.a. die Gattungen Citrobacter, Enterobacter, Escherichia und Klebsiella. Sie sind Indikatororganismen für sanitäre Verhältnisse. Wichtigster Vertreter der coliformen Bakterien ist Escherichia coli. Escherichia ist eine Gattung gramnegativer Stäbchenbakterien der Familie Enterobacteriaceae mit aktiver Bewegung (peritrich begeißelt) oder unbegeißelt ohne aktive Bewegung. Sie ist Oxidase-negativ. Escherichia-Bakterien sind chemoorganotroph, d. h., sie bauen organische Stoffe zur Energiegewinnung ab. Sie sind fakultativ anaerob: Wenn Sauerstoff vorhanden ist, haben sie einen oxidativen Energiestoffwechsel, und oxidieren die organischen Stoffe zu Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasser. Wenn kein Sauerstoff (anaerobe Bedingungen) vorhanden ist, nutzen sie die gemischte Säuregärung als Energiestoffwechselweg, wobei große Mengen von Säuren (Essigsäure, Milchsäure und Bernsteinsäure) als Endprodukte entstehen.

Die mikrobiologische Kontamination machte einen Rückbau der schadhaften Bauteile erforderlich.

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Foto 9 und 10: Unterdruckhaltung und Estrichrückbau

Bei gerichteter Luftführung, Unterdruckhaltung und staubdichter Abtrennung der Schadensbereiche wurden Tapeten entfernt, Putz abgefräst, Estrich und Hohlblocksteine ausgebrochen und die "verseuchten" Materialien abtransportiert und entsorgt. Die Sanierung wurde durch die BSS-zertifizierte Schimmelpilz-Fachkraft Detlef Keil geleitet.

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Foto 11, 12 und 13: Feinreinigung: Scheuerwischdesinfektion und Raumvernebelung im Erdgeschoss

Nach der Feinreinigung des Rückbaubereichs erfolgte eine professionelle Raumdesinfektion mit Wasserstoffperoxid und lokal mit Ethylalkohol durch unseren staatlich geprüften Desinfektor Dr. Gerhard Binker.

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Foto 14, 15 und 16: Feinreinigung im Keller, Partikelmessung als Freimessung und Impaktor-Objektträger mit deutlich sichtbarer, überladener Spur -während der Reinigungsarbeiten gewonnen zum Verdeutlichen der Staubentwicklung

Nach der Freimessung (Partikelmessung) mit einem Holbach-Impaktor und Provokation (Einsatz eines Gebläses zur Aufwirbelung eventueller Sedimendationssporen) konnte der Wiederaufbau begonnen werden.

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 siehe auch: www.schimmelpilz-sachverstaendiger.de

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